Weiterverarbeitung

Stanzung

Die Stanzung erweitert die Möglichkeiten der Druckweiterverarbeitung durch präzise gestanzte Kanten, die über rechteckige Standardformate hinausgehen. Ein Rechteck ist die Standardantwort der Druckindustrie – weil es schnell durch die Schneidemaschine geht. Aber die menschliche Hand greift runde, organische oder unerwartete Konturen völlig anders. Sobald eine Kante von der 90-Grad-Norm abweicht, wechselt das Gehirn vom reinen „Lesen“ ins „Begreifen“.

Ein Stanzer hebt den Schließrahmen mit der eingespannten Stanzform vor dem Tiegel an und prüft ihn konzentriert.

Eine Stanzung ist kein dekoratives Extra. Sie entscheidet über die Balance des Objekts in der Hand, über den Schwerpunkt eines Hangtags und darüber, ob eine Kante weich über die Fingerkuppe gleitet oder bewusst architektonisch steht.

Ob geschwungene Visitenkarten, ausgestanzte Logos oder funktionale Aussparungen – die Technik ermöglicht maßgeschneiderte Lösungen. Realisiert wird die Stanzung mit individuell gefertigten Werkzeugen.

Vom Werkzeug zur Form

Ein Stanzer setzt den Schließrahmen mit der Stanzform in das Fundament des Tiegels ein.
Die Stanzform kommt in den Tiegel
Ein Stanzer richtet die Stanzform im Schließrahmen mit einem Stahllineal aus, daneben liegen Bogen und Schließzeug.
Einrichten mit dem Lineal
Ein dunkelgrau bedruckter Bogen mit Farbkontrollstreifen wird zum Abgleich über die Stanzform gelegt.
Bogen und Werkzeug im Register
Ein Stanzer prüft am Tiegel einen gestanzten, dunkel bedruckten Bogen mit Goldschrift.
Kontrolle des ersten Bogens
Ein Pop-up-Mailing aus dunklem Karton mit ausgestanztem Schreibtisch, Stuhl und Aktenkorb.
Pop-up aus gestanzten Formen
Eine Visitenkarte steckt in zwei halbrund gestanzten Einsteckschlitzen eines dunklen Mailings.
Gestanzte Einsteckschlitze
BILD — Schema: Stanzkontur über Design, Anschnitt 3 mm, 4:3

Datenanlage

Lege die Schnittform auf eine eigene Ebene direkt über dein Design. Zeichne die Kontur als geschlossenen Vektorpfad, weise ihr eine gut sichtbare Volltonfarbe zu (z. B. 100 % Magenta) und stelle sie auf „Überdrucken“. Grafiken, die an den Rand stoßen, lässt du einfach 3 mm über die Schnittlinie in den Anschnitt ragen. Den Rest prüft das System.

Wähle für Freiformen am besten durchgefärbte Naturpapiere. Wird ein weißes Papier vollflächig dunkel bedruckt und anschließend geschnitten, blitzt an der Schnittkante immer der weiße Papierkern auf. Durchgefärbte Feinstpapiere zeigen an der Kante dieselbe tiefe Farbe wie auf der Fläche – das lässt das Objekt massiv und wertig wirken.

Auf einen Blick

Form
Jeder geschlossene Vektor
Werkzeug
ab 100 € einmalig
Wirtschaftlich
ab 200 Exemplaren
Passertoleranz
± 0,3 mm
Mindeststeg
2,5 mm
Innenradius
0,5 mm

Praxistipps & Grenzen

Innenkanten leicht runden

Reine 90-Grad-Innenecken bilden unter Zug eine Sollbruchstelle. Gib Innenecken einen winzigen Radius von nur 0,5 mm – das verteilt die Zugspannung, schützt das Papier vor Einreißen und fühlt sich beim Hineingreifen fließend weich an.

Spitze Ecken entschärfen

Extrem spitze Außenecken unter 30 Grad knicken beim Transport oder in der Hosentasche schnell um. Ein minimaler Eckenradius macht dein Produkt alltagstauglich, ohne die Formidee zu verwässern.

Form folgt Funktion

Verriegelungslaschen, die ohne Klebepunkt halten, Schlitze für Visitenkarten in Mappen, Registerstufen für mehrseitige Broschüren oder Sichtfenster, die neugierig auf das Innenleben machen.

Wirtschaftlicher Sweetspot

Ab 200 Exemplaren: Einmal gefertigt, schlägt das Werkzeug im Takt des Drucksaals durch den Bogen. Nach den anfänglichen Werkzeug- und Rüstkosten sinkt der Stückpreis drastisch.

Mindestabstände

Zwischen zwei Schnittlinien muss das Papier leben können. Wenn Stege dünner als 2,5 bis 3 mm angelegt werden, fehlt der Faser die innere Bindung: Das Material reißt beim Herauslösen unschön aus. Gib feinen Durchbrüchen immer etwas „Fleisch“.

Toleranzen

Druckbogen bewegen sich minimal bei Temperatur und Luftfeuchte. Plane daher mit einer Passertoleranz von ca. ±0,3 mm. Vermeide haarfeine Konturlinien, die exakt 1 mm parallel zur Schnittkante laufen – minimale Verschiebungen fallen dem Auge dort sofort auf.

Häufige Fragen

Weil ein weißes Papier nur an der Oberfläche bedruckt wird – an der Schnittkante liegt der weiße Papierkern frei. Durchgefärbte Feinstpapiere zeigen an der Kante dieselbe tiefe Farbe wie auf der Fläche.

Überzeugt? Dann legen wir los.

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