Veredelung

Hoch­prägung

Während eine Blindprägung das Motiv in den Bogen hineindrückt, hebt die Hochprägung (Reliefprägung) dein Design plastisch nach oben heraus. Es entsteht eine dreidimensionale Verformung, die sich deutlich von der flachen Papieroberfläche abhebt und mit den Fingerspitzen ertastet werden kann.

Der Schriftzug „ARTRIUM“ ist plastisch in eine olivgrüne Visitenkarte geprägt, davor unscharf weitere Karten.

Um Papier nach oben herauszuwölben, reicht kein einzelner Stempel: Wir benötigen ein präzise aufeinander abgestimmtes Werkzeugpaar. Die Matrize (die vertiefte Form) liegt oben, während die Patrize (die erhabene Gegenform) das Papier von unten mit hohem Druck in die Vertiefung presst. Die Papierfasern werden dauerhaft gedehnt und umgeformt. Ob als blinde Verformung ohne Farbe, exakt passgenau auf ein gedrucktes Element gesetzt oder mit Heißfolie kombiniert: Die Hochprägung verleiht Grafiken eine skulpturale Präsenz.

Typische Produkte

Ein apricotfarbener Broschürenumschlag mit dem blind geprägten Logo „hund möbelwerke“.
Blind geprägt auf dem Umschlag
Petrolgrüne Buchumschläge „Tanz der Vokale“ mit großen, blind geprägten Buchstaben liegen auf einem Holztisch.
Großflächiges Relief auf Naturpapier
Ein Stapel cremefarbener Kuverts mit einem geprägten Logo auf der Verschlussklappe.
Prägung auf der Verschlussklappe
Nahaufnahme geprägter Buchstabenformen auf gerippt strukturiertem, petrolfarbenem Papier im Streiflicht.
Jede Tiefenebene braucht eine klare Kennzeichnung

Datenanlage

Lege die Prägeelemente auf einer separaten Ebene mit der Volltonfarbe Hochpraegung (100 %) an und stelle sie auf „Überdrucken“. Bei mehrstufigen Reliefs müssen die unterschiedlichen Tiefenebenen in den Vektordaten klar gekennzeichnet sein.

Auf einen Blick

Wirtschaftlich
ab ca. 200–500 Exemplaren
Werkzeug
Matrize und Patrize
Positive Linie
ab 0,3 mm
Schrift
ab 8 pt
Flankenwinkel
45°–60°

Praxistipps & Grenzen

Faserdehnung & Rissgrenze

Papier lässt sich nicht unbegrenzt dehnen. Ist das Relief zu steil oder zu tief angelegt, reißt die Papieroberfläche an den Flanken auf. Werkzeugtiefe und Flankenwinkel müssen auf die Reißlänge des Papiers abgestimmt sein.

Zwingende Rückseitenwirkung

Eine Hochprägung hinterlässt auf der Rückseite immer die Negativform als Vertiefung. Das ist kein Mangel, sondern das konstruktionsbedingte Merkmal echter zweistufiger Umformung.

Mindeststrichstärken

Positive Linien benötigen mindestens 0,3 mm Breite, damit die Papierfaser von der Patrize mechanisch in die Matrizennut hineingedrückt werden kann.

Werkzeuganforderung

Erfordert zwingend Matrize und Patrize. Bei Nachauflagen können beide Werkzeuge wiederverwendet werden.

Materialwahl

Wähle langfaserige, flexible Feinstpapiere (z. B. Baumwollpapiere oder zähe Naturpapiere). Gestrichene Bilderdruckpapiere haben eine starre mineralische Deckschicht, die bei starker Dehnung an den Flanken eher aufbricht als ungestrichenes Naturpapier.

Gestaltungstipp für Kuverts

Platziere eine Hochprägung auf der Verschlussklappe hochwertiger Kuverts. Beim Öffnen greifen die Finger direkt auf das spürbare Relief.

Häufige Fragen

Im Sprachgebrauch werden die Begriffe oft vermischt. Die klassische Blindprägung drückt das Motiv mit einem Stempel von oben in das Papier hinein – es entsteht eine Vertiefung. Die Hochprägung wölbt das Motiv aktiv nach oben heraus und erfordert dafür immer ein zweiteiliges Werkzeug (Matrize und Patrize).

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